Kurz nach fünf steht in vielen Küchen der Wäschekorb im Weg. Brotdosen werden gefüllt, ein Pflegeprotokoll wird ausgefüllt, die Tabletten für die Schwiegermutter gerichtet. Diese Zeit steht in keiner Arbeitszeiterfassung, und sie ist trotzdem Arbeit.
Das Statistische Bundesamt hat in der Zeitverwendungserhebung 2022 aufgeschrieben, wofür Menschen ihre Zeit verwenden. Die revidierte Fassung stammt vom 6. Juni 2025 und bezieht sich auf Personen ab 18 Jahren. Danach leisten Frauen 29 Stunden 18 Minuten unbezahlte Arbeit pro Woche, Männer 20 Stunden 26 Minuten. Die Differenz beträgt 8 Stunden 52 Minuten in der Woche, 1 Stunde 16 Minuten am Tag. Der Gender Care Gap, der diese Mehrbelastung ins Verhältnis setzt, liegt bei 43,4 Prozent. In der Erhebung 2012/13 waren es 52,4 Prozent.
Was als unbezahlte Arbeit zählt
Die Erhebung zählt nicht jede Tätigkeit mit. Sie folgt dem Dritt-Personen-Kriterium, das die Ökonomin Margaret G. Reid 1934 formuliert hat: Unbezahlte Arbeit ist alles, was grundsätzlich eine bezahlte dritte Person übernehmen könnte. Kochen, Waschen, Putzen, Kinderbetreuung, die Pflege eines Angehörigen, Behördengänge und die Wege dorthin gehören dazu. Schlafen, Essen, Sport oder ein Kinobesuch gehören nicht dazu: Der Nutzen entsteht nur, wenn man es selbst tut.
Die amtliche Erhebung fasst vier Blöcke zusammen: Haushaltsführung und Instandhaltung, Kinderbetreuung und Erziehung, Unterstützung und Pflege erwachsener Angehöriger sowie freiwilliges Engagement und informelle Hilfen. Die Wege zu Kita, Schule, Arzt und Behörde zählen mit.
8 Stunden 52 Minuten
Der Unterschied liegt nicht darin, dass Frauen mehr arbeiten. Er liegt darin, wofür sie arbeiten. Männer leisten 23 Stunden 57 Minuten bezahlte Erwerbsarbeit pro Woche, Frauen 16 Stunden 15 Minuten. Zählt man beides zusammen, kommt Frauen auf 45 Stunden 33 Minuten und Männer auf 44 Stunden 23 Minuten. Frauen arbeiten in Summe also 1 Stunde 10 Minuten mehr pro Woche, und ein großer Teil davon wird nicht bezahlt.
| Zeit pro Woche | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Unbezahlte Arbeit | 29 Stunden 18 Minuten | 20 Stunden 26 Minuten |
| Bezahlte Erwerbsarbeit | 16 Stunden 15 Minuten | 23 Stunden 57 Minuten |
| Gesamtarbeit | 45 Stunden 33 Minuten | 44 Stunden 23 Minuten |
Bezahlt wird nur der mittlere Block, und die unbezahlte Zeit hat trotzdem Termine, Fristen und Menschen, die auf sie warten.
Unbezahlte Arbeit pro Woche
Frauen 29 Stunden 18 Minuten, Männer 20 Stunden 26 Minuten. Die Differenz beträgt 8 Stunden 52 Minuten pro Woche, täglich 1 Stunde 16 Minuten.
- Frauen
- Männer
- Differenz 8:52 h pro Woche
Zahlen als Tabelle
| Gruppe | Pro Woche | Pro Tag |
|---|---|---|
| Frauen | 29:18 | 4:11 |
| Männer | 20:26 | 2:55 |
| Differenz | 8:52 | 1:16 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Zeitverwendungserhebung 2022, Revisionsstand 6. Juni 2025. Personen ab 18 Jahren, in Stunden und Minuten pro Woche.
Die zweite Schicht beginnt nach der ersten
An Werktagen schließt sich an den Betrieb eine zweite Runde an. Kochen, Hausaufgaben, Wäsche, Kinder ins Bett. Solche Aufgaben dulden kaum Aufschub, und sie fallen selten dann an, wenn es gerade passt. Am Wochenende verschiebt sich die Last, aber nicht die Verteilung. Das Zeitbudget der Männer für Sorgearbeit steigt an freien Tagen, überproportional bei Ausflügen, Spielplatz und Sport. Die Routine im Haushalt bleibt liegen, wo sie unter der Woche lag.
Im Schichtdienst kommt die Uhr dazu. Betreuung ist vor sechs Uhr morgens und nach 18 Uhr abends kaum zu bekommen, und die Nachtschicht endet in dieses Loch hinein. Nach der Nachtschicht verzichten viele Beschäftigte in der Pflege auf den Schlaf, der ihnen zusteht, und bringen die Kinder zur Schule. Der Schlaf wird nicht nachgeholt, er wird gestrichen. Was Schlafmangel über Jahre mit dem Körper macht, steht in Arbeitszeit und Gesundheit: Was die Befunde sagen, und was nicht.
Ein Dienstplan, der erst drei Tage vorher steht, kennt keine Wäscheberge: Wenn der Dienstplan den Alltag bestimmt zeigt, was eine verlässliche Vorlaufzeit bedeutet und wo nachträgliche Änderungen an Grenzen stoßen.
Wer Kinder hat, arbeitet mehr, aber anders
In Paarhaushalten mit Kindern im Erwerbsalter liegt die Gesamtarbeit um 10,5 Stunden pro Woche höher als bei kinderlosen Paaren derselben Altersgruppe. Bei Vätern entfällt mehr als die Hälfte dieser Zeit auf bezahlte Arbeit, bei Müttern mehr als zwei Drittel auf unbezahlte. Sind die Kinder unter sechs, leisten Mütter nicht einmal halb so viel bezahlte Erwerbsarbeit wie Väter. Die Zeit für Erwerbsarbeit wird also nicht gleichmäßig gekürzt, sie wird an einer Stelle abgeschnitten und an einer anderen wieder angehängt.
Der Weg dorthin gehört zum Arbeitstag und verschwindet trotzdem aus der Rechnung: 36.136 Menschen pendeln nach Offenbach zur Arbeit, 44.229 hinaus beschreibt, was diese Wege für eine Stadt bedeuten.
Was die Statistik offen lässt
Die Erhebung misst Minuten, nicht Gewicht. Ob eine Stunde am Herd neben einem kranken Kind anders wiegt als eine Stunde am Schreibtisch, steht nicht in der Tabelle. Die Werte sind Mittel über viele Haushalte, kein Protokoll eines einzelnen Tages, und sie sagen nichts über Mieten oder Haushaltseinkommen. Klar ist die Richtung. Die Zeit, die fehlt, fehlt zuerst dort, wo niemand sie bezahlt.
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Quellen und Stand
- Statistisches Bundesamt, Zeitverwendungserhebung 2022, Revisionsstand 6. Juni 2025, Tabellen zur unbezahlten Arbeit von Personen ab 18 Jahren.
- Statistisches Bundesamt, Zeitverwendungserhebung 2022, Revisionsstand 6. Juni 2025, Erwerbsarbeit, Gesamtarbeitszeit und Paarhaushalte mit Kindern.
- Margaret G. Reid, Economics of Household Production, 1934 (Dritt-Personen-Kriterium).
- Angaben zu Mietpreisen und Haushaltseinkommen enthält die ausgewertete Fassung nicht.
- Recherchestand: 16. September 2026. Alle Angaben beziehen sich auf die jeweils genannte Fassung.
Recherche und Prüfung durch Maren Vormann. Externe Belege sind nur dort verlinkt, wo sie eine Aussage direkt stützen; alle übrigen Materialien sind als Klartext benannt.








