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4.013 Euro: Was das mittlere Vollzeitentgelt aussagt

Der Median der Vollzeitentgelte lag 2024 bei 4.013 Euro brutto im Monat, in Hessen bei 4.325 Euro. Die Zahl gilt nur für sozialversicherungspflichtige Vollzeitkräfte und lässt mehr als 40 Prozent der Erwerbstätigen draußen.

· 4 Min. Lesezeit

Schreibtisch mit einem ausgedruckten Tabellenblatt, einem Taschenrechner und einem aufgeschlagenen Notizbuch.
4.013 Euro brutto im Monat ist der Median der Vollzeitbeschäftigten. Die Hälfte verdient weniger, und Teilzeitkräfte fehlen in der Zahl. Foto: Redaktion Hierneuigkeiten

4.013 Euro brutto im Monat verdiente 2024 die mittlere vollzeitbeschäftigte Person in Deutschland. Das ist der Median der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, erhoben zum Stichtag 31. Dezember 2024 und veröffentlicht im Juli 2025. Die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten verdiente mehr als diesen Betrag, die Hälfte weniger.

Gegenüber dem Vorjahr sind es 218 Euro mehr, ein Anstieg um 5,74 Prozent von 3.795 Euro. Die Auswertung der Bundesagentur führt den Zuwachs auf kräftige Tarifabschlüsse und steuerfreie Inflationsausgleichsprämien aus den Tarifrunden 2023 und 2024 zurück; woran Tarifbindung im Einzelfall hängt, erklärt die Einführung in den Tarifvertrag.

Warum hier der Median steht und nicht das Mittel

Ein arithmetisches Mittel wäre für diese Frage das falsche Werkzeug. Einkommensverteilungen sind rechtsschief: Es gibt viele mittlere und wenige sehr hohe Entgelte. Das Mittel minimiert die Summe der quadrierten Abweichungen, hat einen Bruchpunkt von null und reagiert auf einen einzigen Extremwert; seine Einflussfunktion ist unbeschränkt. Ein einzelner Spitzenverdienst zieht es nach oben, ohne dass sich für die Mitte der Verteilung etwas ändert.

Der Median minimiert die Summe der absoluten Abweichungen, hat einen Bruchpunkt von 50 Prozent und eine beschränkte, vorzeichenbehaftete Einflussfunktion. Bis zu 50 Prozent der Werte am oberen Rand können sich beliebig verschieben, ohne dass er sich bewegt. Deshalb beschreibt der Median die Mitte der Verteilung, das Mittel dagegen eine Rechengröße, die von den obersten Prozenten abhängt.

Die Statistik hat trotzdem einen Blindfleck am oberen Rand. Grundlage sind die Entgeltmeldungen der Arbeitgeber nach § 28a SGB IV, und gemeldet wird nur das beitragspflichtige Entgelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung. Diese Grenze lag 2024 im Westen bei 7.550 Euro und im Osten bei 7.450 Euro; alles darüber wird rechtszensiert erfasst. Der Median von 4.013 Euro liegt weit darunter, das Spitzensegment der Verteilung bleibt aber unsichtbar.

Was vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer 2024 verdienten

Der Median liegt bundesweit bei 4.013 Euro brutto im Monat. Hessen erreicht 4.325 Euro und damit Rang drei der Länder.

Mittleres Bruttomonatsentgelt vollzeitbeschäftigter Frauen und Männer 2024 Der Median der Vollzeitbeschäftigten liegt bundesweit bei 4.013 Euro. Männer erreichen 4.138 Euro, Frauen 3.793 Euro. Die unbereinigte Lücke beträgt 346 Euro oder 8,36 Prozent. In Hessen liegt der Median bei 4.325 Euro, in Hamburg bei 4.527 Euro, in Baden-Württemberg bei 4.356 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern bei 3.294 Euro. Bund 4.013 € Männer 4.138 € Frauen 3.793 € Hessen 4.325 € Hamburg 4.527 € Baden-Württemberg 4.356 € Mecklenburg-Vorpommern 3.294 € 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 Euro brutto pro Monat Lücke 346 € (8,36 %)
  • Vollzeitbeschäftigte
  • Hessen, Rang 3 der Länder
  • Frauen und das Schlusslicht im Ländervergleich

Median, also der Wert, der die Gruppe in zwei gleich große Hälften teilt. Balken beginnen bei null. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Entgeltstatistik zum Stichtag 31. Dezember 2024, veröffentlicht im Juli 2025.

Zahlen als Tabelle
Median des Bruttomonatsentgelts vollzeitbeschäftigter sozialversicherungspflichtig Beschäftigter 2024
Gruppe20242023Veränderung
Bund4.013 €3.795 €+218 € (+5,74 %)
Männer4.138 €3.930 €+208 €
Frauen3.793 €3.564 €+229 €
Hessen4.325 €4.104 €+221 €
Hamburg4.527 €4.304 €+223 €
Mecklenburg-Vorpommern3.294 €3.098 €+196 €

346 Euro liegen zwischen Männern und Frauen

Männer kommen im Vollzeitvergleich auf 4.138 Euro, Frauen auf 3.793 Euro. Die unbereinigte Lücke beträgt 346 Euro oder 8,36 Prozent, bezogen auf das Medianentgelt der Männer. Unbereinigt heißt: Unterschiede in Berufen, Branchen und Erwerbsverläufen sind nicht herausgerechnet. Die Statistik führt die Lücke vor allem auf berufliche Segregation zurück; Frauen sind seltener in den ertragsstarken industrienahen und technischen Berufen und seltener in Spitzenführungspositionen vertreten.

Hessen liegt auf Rang drei

Hessen steht mit 4.325 Euro an dritter Stelle der Bundesländer und liegt 312 Euro oder 7,77 Prozent über dem Bundesmedian. Vor Hessen liegen Hamburg mit 4.527 Euro und Baden-Württemberg mit 4.356 Euro; am unteren Ende steht Mecklenburg-Vorpommern mit 3.294 Euro.

Merkmal Medianentgelt 2024
Deutschland 4.013 Euro
Männer 4.138 Euro
Frauen 3.793 Euro
Hamburg 4.527 Euro
Baden-Württemberg 4.356 Euro
Hessen 4.325 Euro
Mecklenburg-Vorpommern 3.294 Euro

Der hessische Vorsprung hat einen Preis, den die Statistik nicht ausweist. Die Erhebung liefert Bruttowerte ohne Kaufkraftbereinigung, und der Landesmedian ist stark von der Hochpreisregion Frankfurt Rhein-Main geprägt. Rechnet man die überdurchschnittlichen Wohn- und Lebenshaltungskosten heraus, fällt die reale Kaufkraft hinter die Kaufkraft nominell niedrigerer Entgelte in ländlichen oder ostdeutschen Regionen zurück. Wie weit Arbeitsort und Wohnort auseinanderliegen können, zeigt die Pendlerbilanz für Offenbach am Main: 44.229 Menschen verlassen die Stadt täglich zur Arbeit.

Was in der Zahl nicht vorkommt

Die Entgeltstatistik erfasst nur vollzeitbeschäftigte, sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Teilzeit- und Minijob-Beschäftigte fehlen vollständig, zusammen mehr als 40 Prozent aller Erwerbstätigen, darunter überdurchschnittlich viele Frauen. Der Median beschreibt damit den Kern des Normalarbeitsverhältnisses, nicht das Einkommen aller Beschäftigten. Die Auswertung der Zeitverwendungserhebung erfasst, wie viel unbezahlte Arbeit neben einem Teilzeitvertrag anfällt; in der Entgeltstatistik kommt diese Arbeit nicht vor.

Auch Steuern und Transfers kommen nicht vor. Die Werte sind brutto, ohne Abzüge, ohne Sozialleistungen und ohne regionale Preisniveaus. Wer aus 4.013 Euro ein verfügbares Einkommen ableiten will, braucht eine zweite Rechnung; die Zahl selbst gibt nur die Position in der Verteilung der Vollzeitentgelte an.

Am unteren Rand derselben Verteilung steht der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro je Stunde, der bei 40 Wochenstunden ein Bruttomonatsentgelt von rund 2.410 Euro ergibt. Der Median der Vollzeitentgelte liegt weit darüber, und er beschreibt einen Ausschnitt des Arbeitsmarkts, nicht seine gesamte Verteilung.

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Quellen und Stand

  • Bundesagentur für Arbeit, Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Entgelte der Vollzeitbeschäftigten 2024, Stichtag 31. Dezember 2024, veröffentlicht im Juli 2025.
  • Bundesagentur für Arbeit, Entgeltstatistik 2024, Tabelle zu Medianentgelten nach Geschlecht und Bundesland, Berichtsjahr 2024 gegenüber 2023.
  • Sozialgesetzbuch IV, § 28a zu den Entgeltmeldungen der Arbeitgeber und zur Begrenzung auf das beitragspflichtige Entgelt.
  • Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung 2024: 7.550 Euro monatlich im Westen und 7.450 Euro im Osten.
  • Recherchestand: 15. September 2026. Alle Angaben beziehen sich auf die jeweils genannte Fassung.

Recherche und Prüfung durch Tarik Al-Mansoor. Externe Belege sind nur dort verlinkt, wo sie eine Aussage direkt stützen; alle übrigen Materialien sind als Klartext benannt.

Porträt von Tarik Al-Mansoor

Tarik Al-Mansoor

Daten und Wirtschaft

Tarik Al-Mansoor, Jahrgang 1991, ist in Rüsselsheim aufgewachsen. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität Frankfurt studiert, mit Schwerpunkt Verteilungsökonomie und empirische Arbeitsmarktforschung, und arbeitet seitdem als Daten- und Wirtschaftsjournalist.

Er liest Mikrozensusbände, Entgeltstatistiken und Tarifabschlüsse lieber im Original als in der Pressemitteilung. Wenn in einer Meldung vom Durchschnitt die Rede ist, schaut er nach, ob der Median gemeint war.

Alle Beiträge von Tarik Al-Mansoor

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