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Arbeit. Alltag. Was sich ändert.

Hier vor Ort Datengeschichte Offenbach am Main

36.136 Menschen pendeln nach Offenbach zur Arbeit, 44.229 hinaus

Die jüngsten hier ausgewerteten Stadtzahlen zeigen zwei große Wegebewegungen. Sie sind eine Momentaufnahme aus dem Juni 2024, keine aktuelle Verkehrszählung.

· 4 Min. Lesezeit

Bahnsteig einer S-Bahn-Station im Morgenlicht, im Vordergrund ein wartender Mensch mit Rucksack, im Hintergrund eine einfahrende Bahn.
Vier Linien teilen sich einen 3,7 Kilometer langen Tunnel. Eine Störung darin verschiebt Tausende Wege. Foto: Redaktion Hierneuigkeiten

Am Bahnsteig von Offenbach Ost riecht es kurz vor fünf nach kaltem Metall und nassem Stoff. Die Anzeigetafel klickt weiter, unten im Tunnel quietschen die Bremsen einer S-Bahn am Marktplatz, und die Wartenden kennen diesen Ton genauer als ihren Wecker. Sie fahren nicht in ihre Stadt hinein. Sie fahren aus ihr heraus.

Die Bundesagentur für Arbeit hat für den Agenturbezirk Offenbach nachgezählt, Stichtag Juni 2024, veröffentlicht am 9. April 2025. In Offenbach am Main stehen 52.038 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. 60.131 Beschäftigte wohnen in der Stadt. 36.136 Menschen pendeln zur Arbeit ein, das sind 69,4 Prozent aller Arbeitsplätze. 15.902 Menschen wohnen und arbeiten in Offenbach, also 30,6 Prozent. 44.229 arbeiten auswärts, 73,6 Prozent der wohnhaften Beschäftigten. Unter dem Strich fehlen 8.093 Personen. Die Stadt liefert Arbeitskräfte, sie sammelt sie nicht ein.

Wer nach Offenbach pendelt und wer hinausfährt

36.136 Menschen pendeln zur Arbeit nach Offenbach ein, 44.229 pendeln hinaus. Der Saldo der Stadt ist negativ.

Ein- und Auspendler nach und aus Offenbach am Main, nach Gebietskörperschaft Aus Frankfurt am Main pendeln 6.404 Menschen nach Offenbach ein, 22.632 pendeln von Offenbach nach Frankfurt aus. Aus dem Kreis Offenbach kommen 10.942 Einpendler, 7.271 Menschen pendeln dorthin aus. Aus dem Main-Kinzig-Kreis kommen 4.291, dorthin gehen 2.011. Aus Darmstadt-Dieburg kommen 509, dorthin gehen 1.046. ← Einpendler nach Offenbach Auspendler aus Offenbach → Frankfurt am Main 6.404 22.632 16.228 mehr Auspendler Kreis Offenbach 10.942 7.271 +3.671 mehr Einpendler Main-Kinzig-Kreis 4.291 2.011 +2.280 mehr Einpendler Darmstadt-Dieburg 509 1.046 537 mehr Auspendler
  • Einpendler nach Offenbach
  • Auspendler aus Offenbach

Dargestellte Werte in Personen. Der Bezugswert für das Stadtgebiet: 52.038 Arbeitsplätze am Ort, davon 36.136 Einpendler und 15.902 innerörtlich Erwerbstätige; 60.131 wohnhafte Beschäftigte, davon 44.229 Auspendler. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Pendlerstatistik für den Agenturbezirk Offenbach, Stichtag Juni 2024, veröffentlicht am 9. April 2025.

Zahlen als Tabelle
Pendlerverflechtung Offenbach am Main, Stichtag Juni 2024
GebietskörperschaftEinpendlerAuspendlerSaldo
Frankfurt am Main6.40422.632−16.228
Kreis Offenbach10.9427.271+3.671
Main-Kinzig-Kreis4.2912.011+2.280
Landkreis Darmstadt-Dieburg5091.046−537
Gesamt36.13644.229−8.093

Frankfurt nimmt, das Umland liefert

Am stärksten ist die Achse nach Westen. 22.632 Menschen pendeln von Offenbach nach Frankfurt am Main, 6.404 kommen in die Gegenrichtung. Unter dem Strich gehen 16.228 Personen verloren. Allein nach Frankfurt führt mehr als jeder zweite Weg aus der Stadt.

Nach Osten dreht sich das Bild. Aus dem Kreis Offenbach kommen 10.942 Menschen zur Arbeit in die Stadt, 7.271 fahren von Offenbach dorthin. Unterm Strich bringt diese Beziehung 3.671 Personen mehr herein als hinaus. Aus dem Main-Kinzig-Kreis pendeln 4.291 ein und 2.011 aus, ein Plus von 2.280. In den Landkreis Darmstadt-Dieburg gehen 1.046 Menschen, von dort kommen 509.

Offenbach ist damit kein Vorort, der nur nach Frankfurt blickt. Das hat eine Vorgeschichte: Vor der S-Bahn war Offenbach selbst die Werkbank der Region, mit Gerbereien, Zuschneidereien und Heimarbeitsstuben im Umland. Wie diese Arbeitsstadt aussah, steht in Offenbachs Lederarbeit kam aus Werkstatt, Fabrik und Heimarbeit.

Ein Tunnel, vier Linien, kein Puffer

Der schienengebundene Berufsverkehr durch Offenbach hängt an einer einzigen Röhre. Der City-Tunnel wurde 1995 in Betrieb genommen, ist 3,7 Kilometer lang und zweigleisig. Er verbindet die Stationen Kaiserlei, Ledermuseum, Marktplatz und Offenbach Ost und trägt die Linien S1, S2, S8 und S9. Jede fährt im Berufsverkehr im 30-Minuten-Grundtakt; auf dem gemeinsamen Kernabschnitt überlagern sie sich zu einem Takt von drei bis fünf Minuten.

Vier Linien auf zwei Gleisen lassen wenig Raum für Störungen. Ein zäher Fahrgastwechsel, eine defekte Weiche, ein Signal, das nicht umschaltet: Der Rückstau läuft bis in die Außenäste. In den hessischen Schulferien wird der Tunnel regelmäßig für Wochen vollständig gesperrt, für elektronische Stellwerke, Brandschutz und neue Gleise. Dann fahren Busse statt Bahnen, oder die Züge werden über den Frankfurter Südbahnhof umgeleitet.

Am Kaiserlei steht man, auf der A661 auch

Der Kaiserlei-Knoten war 1965 als großer Kreisel gebaut und wurde zwischen 2017 und Ende 2022 für rund 67 Millionen Euro zu einer signalgeregelten Doppelkreuzung umgebaut. Heute rollen dort annähernd 100.000 Fahrzeuge an einem Werktag durch, und in den Morgen- und Abendspitzen bleibt es eng. Auf der A661 rechnet der Bund für 2030 mit 117.000 Fahrzeugen am Tag, auf der A3 am Offenbacher Kreuz mit bis zu 181.000. Der Knoten wird dafür umgebaut, und schon jetzt schieben sich die Verengungen an den Rampen bis in die Stadt. Die B43, der Taunusring, soll den Verkehr um die Innenstadt herumführen. Dort treffen Lieferverkehr und Pendlerverkehr auf dieselben Ampeln.

Zwischen Feierabend und Fahrplan

Wer im Schichtdienst arbeitet, kennt die Rechnung zwischen Dienstende und Abfahrt. Zehn Minuten später aus der Umkleide, und der Anschluss ist weg. Der Weg zur Arbeit ist die Naht zwischen dem, was der Betrieb verlangt, und dem, was zu Hause wartet. Was eine Vorlaufzeit im Dienstplan praktisch bedeutet, steht in Wenn der Dienstplan den Alltag bestimmt. Und wer abends in Frankfurt arbeitet, für den entscheidet der Beginn einer Vorstellung darüber, ob vom Feierabend noch etwas übrig bleibt: Kultur nach Feierabend: wem nach der Spätschicht Zeit bleibt.

Was diese Zahlen nicht sagen

Die Pendlerstatistik zählt Wege, keine Rechnungen. Sie sagt nichts über Mieten in Offenbach, nichts über Heizung und Einkäufe, und für Offenbach enthält das ausgewertete Material keine Mietpreisreihe. Dass ein Verdienst westlich der Stadtgrenze erarbeitet und eine Wohnung östlich davon bezahlt wird, lässt sich mit dieser Statistik nicht in eine Zahl bringen. Wie unterschiedlich hoch Löhne in derselben Region liegen, steht in Was der mittlere Vollzeitverdienst zeigt und was er offen lässt.

Gezählt werden sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Wer nicht in dieser Kategorie geführt wird, kommt in keiner der beiden Zahlen vor. Und die Zahlen sind eine Momentaufnahme vom Juni 2024, veröffentlicht am 9. April 2025. Keine Verkehrszählung, keine Türzählung, kein Bild vom heutigen Morgen.

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Quellen und Stand

  • Bundesagentur für Arbeit, Pendlerstatistik Agenturbezirk Offenbach, Stichtag Juni 2024, veröffentlicht am 9. April 2025.
  • Bundesagentur für Arbeit, Pendlerverflechtung Offenbachs mit Frankfurt, dem Kreis Offenbach, dem Main-Kinzig-Kreis und Darmstadt-Dieburg, Stichtag Juni 2024.
  • Deutsche Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund, City-Tunnel Offenbach, Inbetriebnahme 1995, Stationen Kaiserlei, Ledermuseum, Marktplatz und Offenbach Ost.
  • Stadt Offenbach am Main, Umbau des Kaiserlei-Knotens 2017 bis 2022, Kosten rund 67 Millionen Euro, knapp 100.000 Fahrzeuge pro Werktag.
  • DEGES, Umbau des Offenbacher Kreuzes an A3 und A661, Verkehrsprognose 2030.
  • Mietpreise und Lebenshaltungskosten in Offenbach: keine Reihe im ausgewerteten Material.
  • Recherchestand: 11. September 2026. Alle Angaben beziehen sich auf die jeweils genannte Fassung.

Recherche und Prüfung durch Maren Vormann. Externe Belege sind nur dort verlinkt, wo sie eine Aussage direkt stützen; alle übrigen Materialien sind als Klartext benannt.

Porträt von Maren Vormann

Maren Vormann

Offenbach und Rhein-Main

Maren Vormann ist 1978 in Offenbach-Bürgel geboren und lebt dort. Sie hat ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, parallel zur Schichtarbeit im Paketzentrum Rodgau, und schreibt seit zwanzig Jahren als Lokaljournalistin im Rhein-Main-Gebiet.

Sie pflegt seit vier Jahren ihre pflegebedürftige Schwiegermutter und kennt das deutsche Pflegesystem aus dem Nachtdienst am Krankenbett. Sie schreibt über Wege zur Arbeit, über Sorgearbeit und über die Orte, an denen beides zusammenstößt.

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