Zwischen Wunsch und Vertrag liegt bei Millionen Beschäftigten eine Lücke, und sie verläuft in zwei Richtungen. Nach der Pressemitteilung Nr. 314 des Statistischen Bundesamts vom 4. September 2026 befanden sich 2025 rund 5,3 Millionen Erwerbstätige im Alter von 15 bis 74 Jahren in einer zeitlichen Fehlanpassung: Sie arbeiten mehr oder weniger Stunden, als sie möchten. Grundlage ist die Arbeitskräfteerhebung 2025; die 5,3 Millionen ergeben sich aus beiden Gruppen zusammen.
Die größere Gruppe will kürzer arbeiten. 3,8 Millionen Menschen kommen in einer tatsächlichen Woche auf 40,9 Stunden und möchten um 10,5 Stunden reduzieren, auf 30,4 Stunden. 87 Prozent von ihnen, 3,3 Millionen, sind vollzeitbeschäftigt, 0,5 Millionen teilzeitbeschäftigt.
Die kleinere Gruppe zieht in die Gegenrichtung. 1,5 Millionen Menschen arbeiten tatsächlich 26,2 Stunden pro Woche und wollen 10,5 Stunden mehr, also 36,7 Stunden. Mehr als 73 Prozent von ihnen, 1,1 Millionen, sind teilzeitbeschäftigt, 0,4 Millionen vollzeitbeschäftigt.
| Merkmal | Wunsch nach Kürzung | Wunsch nach Aufstockung |
|---|---|---|
| Betroffene | 3,8 Millionen | 1,5 Millionen |
| Tatsächliche Wochenarbeitszeit | 40,9 Stunden | 26,2 Stunden |
| Veränderungswunsch | 10,5 Stunden weniger | 10,5 Stunden mehr |
| Angestrebte Wochenarbeitszeit | 30,4 Stunden | 36,7 Stunden |
| Vollzeitbeschäftigte | 3,3 Millionen | 0,4 Millionen |
| Teilzeitbeschäftigte | 0,5 Millionen | 1,1 Millionen |
Kürzen wollen die einen, aufstocken die anderen
Dieselbe Zahl von 10,5 Stunden in beiden Gruppen verleitet zu einer symmetrischen Erzählung. Sie hält nicht. Wer 40,9 Stunden arbeitet und davon 10,5 abgeben will, beschreibt eine Belastungsgrenze; die Auswertung führt den Kürzungswunsch auf Erschöpfungsprävention nach jahrelanger Arbeitsverdichtung zurück. Was lange Arbeitstage mit dem Körper machen, hält der Überblick zu Arbeitszeit und Gesundheit fest.
Bei den vollzeittätigen Frauen ist der Kürzungswunsch mit 13,5 Prozent ausgeprägter als bei den vollzeittätigen Männern mit 10,3 Prozent. Die Auswertung erklärt das mit der familiären Mehrfachbelastung in der Lebensphase, in der Beruf und Betreuung zusammenfallen. Wie viel unbezahlte Sorgearbeit neben der Erwerbsarbeit anfällt und wer sie leistet, zeigt die Auswertung der Zeitverwendungserhebung von 2022.
Auf der anderen Seite steht keine Freiwilligkeit, sondern eine Lücke im Einkommen. Die Gruppe der Aufstockungswilligen besteht zu mehr als 73 Prozent aus Teilzeitkräften; der Mehrarbeitswunsch folgt dem Bedarf an einem existenzsichernden Haushaltseinkommen. Auffällig ist die Reihenfolge bei den Geschlechtern: 10,4 Prozent der teilzeitbeschäftigten Männer wollen aufstocken, aber nur 7,4 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen. Männliche Teilzeit ist damit seltener eine gewählte Lebensphase als eine prekäre Zwischenstation.
Kürzer oder länger arbeiten: zwei Gruppen, zwei Richtungen
3,8 Millionen Menschen wollen ihre Arbeitszeit verkürzen, 1,5 Millionen wollen sie aufstocken. Beide Gruppen nennen im Schnitt 10,5 Stunden Veränderung.
- Wunsch nach Verkürzung
- Wunsch nach Aufstockung
- heutige Arbeitszeit (ausgefüllt), gewünschte Arbeitszeit (offen)
Durchschnittswerte der jeweiligen Gruppe, nicht der Gesamtheit. Würden alle Wünsche umgesetzt, sänke die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen von 34,7 Stunden um 0,6 Stunden oder 36 Minuten. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 314 vom 4. September 2026, Arbeitskräfteerhebung 2025.
Zahlen als Tabelle
| Merkmal | Verkürzungswunsch | Aufstockungswunsch |
|---|---|---|
| Personen | 3,8 Mio. | 1,5 Mio. |
| Arbeitszeit heute | 40,9 h | 26,2 h |
| Gewünschte Arbeitszeit | 30,4 h | 36,7 h |
| Veränderung | −10,5 h | +10,5 h |
| Vollzeit / Teilzeit | 3,3 Mio. / 0,5 Mio. | 0,4 Mio. / 1,1 Mio. |
Was die Erhebung misst und was nicht
Die Zahlen beschreiben Wünsche, nicht Verträge. Ob eine Kürzung vereinbart, ein Vertrag aufgestockt oder beides verweigert wird, steht nicht in der Erhebung; über die Umsetzung sagt die Pressemitteilung nichts.
Die 40,9 und die 26,2 Stunden sind Mittelwerte je Gruppe, keine Mediane. Einzelne sehr lange oder sehr kurze Wochen verschieben sie, und die Gruppe der Kürzungswilligen enthält viele Vollzeitkräfte mit überdurchschnittlich langen Wochen. Wer aus dem Mittelwert eine typische Woche ableitet, macht aus einer Verteilung eine Zahl.
Andere Erhebungen stellen andere Fragen. Der DGB-Index Gute Arbeit 2025 misst keine Wochenstunden, sondern die Tagesgrenze: 72 Prozent der dort Befragten sprechen sich für höchstens acht Stunden täglich aus. Die beiden Werte lassen sich nicht ineinander umrechnen; sie stammen aus verschiedenen Erhebungen mit verschiedenen Fragen.
36 Minuten für alle
Rechnet man die Wünsche hoch, bleibt wenig übrig. Würden alle Kürzungen und alle Aufstockungen umgesetzt, sänke die Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen von 34,7 Stunden um 0,6 Stunden, also um 36 Minuten pro Kopf. Die beiden Gruppen heben sich fast auf, weil sie gleich große Änderungen in entgegengesetzte Richtungen wünschen.
Für einen einzelnen Haushalt sind 10,5 Stunden keine Kleinigkeit; für den Arbeitsmarkt ist die Summe der Wünsche ein Nullsummenspiel mit kleiner Restgröße. Wie sich eine Stunde mehr oder weniger im Tag verteilt, lässt sich im Modell der 1.440 Minuten nachrechnen.
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Quellen und Stand
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 314 vom 4. September 2026, Arbeitskräfteerhebung 2025, Erwerbstätige mit zeitlicher Fehlanpassung.
- Statistisches Bundesamt, Arbeitskräfteerhebung 2025 im Mikrozensus, Fragen zur tatsächlichen und zur gewünschten Wochenarbeitszeit, Altersgruppe 15 bis 74 Jahre.
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeitszeitreport Deutschland, Ausgabe 2023, Befunde zu langen Arbeitstagen und Erholung.
- Deutscher Gewerkschaftsbund, DGB-Index Gute Arbeit 2025, Auswertung zu täglichen Arbeitszeitgrenzen, Dezember 2025.
- Recherchestand: 8. September 2026. Alle Angaben beziehen sich auf die jeweils genannte Fassung.
Recherche und Prüfung durch Tarik Al-Mansoor. Externe Belege sind nur dort verlinkt, wo sie eine Aussage direkt stützen; alle übrigen Materialien sind als Klartext benannt.








